Game of Libraries – Ein Tag als FaMI in der Öffentlichen Bibliothek

Im Rahmen der Game of Libraries Reihe möchte ich euch heute meine Arbeit vorstellen, mehr zu der Game of Libraries Reihe findet ihr hier.

Wie einige von euch vielleicht wissen, mache ich momentan ein Ausbildung in einer Bibliothek. In einer kleinen öffentlichen Bibliothek mitten in Ostfriesland. Das klingt zunächst nicht nach einem interessanten und abwechslungsreichen Job, besonders wenn einem dann auch noch einfällt, dass das öffentlicher Dienst ist. Aber deshalb bin ich hier, um euch davon zu berichten was ich den ganzen Tag auf der Arbeit so mache. Einfach um euch den Beruf zu zeigen und einen Einblick hinter den Kulissen zu geben.

Zwei Mal die Woche gehe ich zur Berufsschule nach Bremen, da es keine andere Berufsschule in der Nähe gibt. Für mich heißt das Pendeln mit der Deutschen Bahn, aber das ist ein ganz anderes Thema, denn wenn ich anfange über die ganzen Baustellen zu berichten, dann ist das kein Buchblog mehr. Auch will ich über die Berufsschule hier nicht all zu viel sagen und mehr darüber reden, was ich als Azubi im ersten Jahr so alles mache.

Für all die diejenigen unter euch, die entweder diese Ausbildung schon genossen haben oder sie noch genießen oder überlegen diese Ausbildung zu starten, in jeder Bibliothek läuft dein Alltag anders ab, jeder Betrieb entscheidet selbst, wann du was lernen sollst, also kann ich nur davon berichten, wie es in meiner Bibliothek abläuft.

Wir haben in unserer Bibliothek Gleitzeit mit einer Kernzeit von 9:00 Uhr bis 15:00 Uhr, nur Mittwochs und Freitags dürfen wir schon eher gehen. Das ganze hängt mit unseren Öffnungszeiten zusammen und der Tradition in meinem Betrieb, dass wir uns vormittags noch einmal alle zusammen setzen, Tee trinken und ein paar wichtige Dinge durchsprechen, wie anstehende Termine, wichtige Informationen aus der Branche oder Kulturelle Ereignisse in der Umgebung. außerdem haben wir noch einen Thekenplan, wo für alle FaMIs (mehr zu FaMIs in Veras Beitrag) festgelegt wird, wer wann an die Ausleihtheke muss. Aber abgesehen davon kann jeder kommen und gehen wann er will, solange er seine Stunden voll kriegt und die Arbeit erledigt wird.

Fangen wie mit Montag an, es ist mein längster Tag dort. Ich komme meistens so zwischen halb und viertel vor Neun und mein erster Gang ist, wie bei allen anderen auch, zum PC um sich im Zeiterfassungssystem anzumelden. Deshalb ist immer ein PC an der Ausleihtheke an, damit alle sich schnell anmelden können ohne das jeder erst seinen eigenen PC starten muss. An diesem PC muss ich außerdem die Benutzerdaten für die Onleihe hochladen, ein weiteres Programm starten von dem ich nicht ganz sicher bin was es tut, aber es hat irgendwas mit unserer Ausleihsoftware zu tun, und dann noch ein Programm für die Statistik starten.

Unsere höhenverstellbare Ausleihtheke mit fast leeren Buchwagen im Hintergrund

Der nächste große Punkt ist die Rückgabekästen zurückzubuchen. Du fragst dich jetzt vielleicht wie das gemeint ist. Wir haben bei den zwei größten Einkaufsläden Rückgabekästen stehen, deren Inhalt wird uns von Montag bis Freitag gebracht. Also stehen jeden morgen 1-7 Kästen auf und vor der Ausleihtheke, in diesen Kisten sind Bücher, Hörbücher, Filme, Musik-CDs und Zeitschriften. Die Kisten müssen von mir ausgepackt werden, bei den Hörbüchern, CDs und Filmen noch kontrolliert werden ob auch alles dabei ist und dann muss von jedem einzelnen Medium der Barcode eingescannt werden. Montags haben wir die meisten Kästen, oft sind 5 oder 6 Stück. Da brauche ich dann ungefähr 30 Minuten für, je nachdem wie viele CDs drin sind, denn die dauern am längsten.

Als nächstes müssen die zurückgebenden Bücher vorsortiert werden, damit wir sie wieder einstellen können. Dafür unterteilen wir die Bücher in drei Hauptgruppen (Romane, Sachbücher und Kinder/Jugendbücher), erkennen kann man das an den unterschiedlichen Signaturen, die sind für die Jubü grün, Romane rot und Sachbücher blau. Dann werden die Bücher einmal grob durchgeblättert um zu sehen ob noch Lesezeichen drin liegen und den Zustand der Bücher zu kontrollieren. Wenn auch das alles erfolgreich überstanden ist werden die Bücher auf einem Buchwagen vorsortiert. Das ganze passiert dann nach Interessenkreis und den Signaturen. Dazu wird es später noch einmal einen Beitrag geben, also gehe ich hier jetzt nicht ins Detail. Wichtig ist hierbei nur darauf zu achten was der Zugangsstempel im Inneren sagt, denn die neueren Bücher werden bei uns extra ausgestellt, da diese auch besser ausgeliehen werden. Und dann wenn das alles geschafft ist, wird endlich eingestellt. Der Buchwagen wird also durch die Gänge geschoben und jeder geht durch seine eigene Abteilung, also einer stellt die Romane ein, einer Kinderbücher und einer die Sachbücher. Ich habe schon in allen Abteilungen eingestellt. Mit den Romanen habe ich angefangen, Kinderbücher muss man zwischendurch mal wenn unsere FSJ nicht da ist, also habe ich das auch früh gelernt, und im Januar habe ich dann mit Sachbüchern angefangen. Jede Abteilung hat so seine Vor- und Nachteile. Sachbücher dauert ewig, bei den Romanen hat man nie genug Platz und Kinderbücher sind einfach so viele, aber überall finde ich ständig Bücher, die auf meiner “Lese-ich-irgendwann” Liste landen. Insgesamt dauert Vorsortieren und einstellen bei Sachbüchern 1 bis 1 1/2 Stunden

Ein Buchwagen voller Sachbücher, die an einem Tag zurückgekommen sind.

Bevor wir öffnen muss immer der “neuste” Azubi den Rundgang machen um die Bibliothek vorzubereiten. Das dauert nur 15 Minuten, aber ist auf Dauer etwas nervig, da man ständig im Blick haben wann man losgehen muss. Ich starte den Rundgang immer damit die Internetplätze für die Nutzer hochzufahren, dann werden im Sommer die Gartenmöbel auf der Terasse aufgebaut. Tische werden kontrolliert ob überall genug Zettel und Kugelschreiber liegen, Licht wird angeschaltet, der Anrufbeantworter wird spätestens jetzt abgehört, Bücher aus dem Rückgabekasten im Café nebenan geholt und dann geht es an die Vorbereitung der Ausleihtheke. Die Kasse wird angeschaltet und das Fach mit dem Geld eingelegt, das EC-Gerät und der Entsicherer für die CD-Hüllen raus gestellt. Der Fernseher mit unserer Werbung wird angestellt und auf Diashow geschaltet. Der Kopierer vorne wird angestellt und die Quittungsdrucker auch. Montags gehe ich dann auch noch einmal rum, um die Blumen zu gießen, weil irgendjemand auf die Idee gekommen ist, dass Azubis bestimmt immer einen grünen Daumen haben. Ich wundere mich immer wieder das die Pflanzen noch nicht tot sind.

Ein Teil der Erwachsenbücher im Erdgeschoss

Um den Rundgang zu machen, unterbreche ich Montags immer das einstellen, auch wenn ich es nervig finde einstellen zu müssen, wenn Nutzer in der Bibliothek sind, aber da ich auch nicht früher kommen will, muss ich das wohl aushalten.

Wenn ich dann mit allen vorherigen Aufgaben fertig bin muss ich manchmal noch zur Bank um Geld einzuzahlen und zu Post um Fernleihen wegzubringen. Das ist immer schnell erledigt und ich freue mich immer wieder über den kleinen Spaziergang durch die Altstadt.

Die Zeitschriften und Leseecke

Dann kommen wird endlich zu den Interessanteren aufgaben, die ich habe. Inventarisieren oder auch Unboxing. Jede Woche packe ich haufenweise Pakete voll mit Büchern aus. Diese müssen in unserem System als geliefert gekennzeichnet werden, doch dafür muss ich vorher all die Bestellungen, die meine Kollegen machen in das System eingeben. Es ist ganz interessant zu sehen was alles so bestellt wird, aber es wäre bestimmt noch besser, wenn ich selber Bücher bestellen dürfte. Jedenfalls müssen alle Bücher, die in die Bibliothek sollen, an mir vorbei, damit ich sie Stempeln und mit einem Barcode versehen kann.

Nachdem die Bücher inventarisiert wurden, werde sie an die zuständigen Azubis und der FSJ verteilt, die die Bücher einarbeiten. Romane gehen an mich, Sachbücher ans zweite Lehrjahr und Kinderbücher ans dritte und die FSJlerin. Beim Einarbeiten werden alle Bücher in unseren Katalog eingegeben, häufig mit vorgefertigten Datensätzen, die mit dem Buch zusammen erworben wurden, und dann muss das Buch noch beklebt werden, damit hinterher auch alle wissen wo das Buch hingehört.

Die Kaffeemaschine gehört zu unseren wichtigsten Mitarbeitern

Dann kommen wir zu meiner Liebsten Tätigkeit in der Bibliothek: der Thekendienst. Montags sitze ich 3 Stunden mit einer Kollegin an der Theke. Wir nehmen Bücher zurück und geben neue aus. Außerdem verkaufen wir noch Karten für Veranstaltungen. Ich finde diesen Part besonders gut, da mir der Kontakt zu den Nutzern gefällt, der bietet Abwechslung und mal ganz ehrlich, wen freut nicht ein kleines Kind, dass sich gerade so sehr auf das Buch freut, das es sich ausgesucht hat, dass es das Buch gar nicht mehr hergeben mag?

Zu guter Letzt muss auch vorm Schließen noch ein Rundgang gemacht werden. Die benutzen Tassen von unserem Kaffee Automaten müssen in die Spülmaschine, die Nutzer müssen freundlich raus befördert werde, Fenster geschlossen, Lichter ausgemacht, PCs heruntergefahren, Büros aufgeschlossen,und Außentüren abgeschlossen werden, nicht zu vergessen die Reservierungsbenachrichtigungen abgeschickt und Vorhänge geschlossen werden. Und wenn dann alle das Gebäude verlassen, die Angestellten sich in der Zeiterfassung abgemeldet haben und das Licht gelöscht wurde. Wird die Bibliothek abgeschlossen und die Alarmanlage eingeschaltet. So ist die Bibliothek dann um 10 nach 6 Menschenleer.

Ein Highlight unserer Kinder- und Jugendbibliothek, das Schiff Wilhelmina

Den Dienstag verbringe ich außerhalb der Ferien immer in der Berufsschule und habe von dem Tag daher nicht so viel zu berichten. Der Mittwoch dagegen wird interessanter, da ich dann wieder in der Bibliothek bin.

Auch Mittwochs startet mein Tag mit den Rückgabekästen. Nachdem zurückbuchen sortieren ich dann meist die Sachbücher schon vor. Da wird Mittwochs schon eine Stunde früher öffnen, komme ich nicht zum Einstellen der Sachbücher. Zwischen Neun und Zehn bin ich mit Tee kochen und der Vorbereitung der Bibliothek für die Öffnungszeiten beschäftigt. An die Theke gehe ich meistens von 10:00 Uhr bis 11:30 Uhr. Dann setze ich meistens für 1 1/2 Stunden ins Büro um Pakete zu Öffnen oder Romane einzuarbeiten. Um 13:00 Uhr schließen wir schon wieder und ich gehe mit einer Kollegin zusammen die SAchbücher und Romane einstellen, um kurz nach zwei sind wir meistens fertig und können dann nach Hause gehen.

Donnerstags ist nicht immer ganz so strukturiert, da ich meistens dann die Aufgaben mache, die noch so angefallen sind über die Woche. Aber natürlich beginnt mein Morgen wieder mit ein bis drei Kisten aus den Rückgabeboxen. Ich muss jedoch nicht einstellen und kann sofort ins Büro gehen. Dort werden dann Daten in unseren Katalog eingespielt, Bücher bearbeitet und Pakete ausgepackt. Eine Besonderheit ist, dass ich Donnerstags immer die Mahnungen mache. Dafür erstellt mir unsere Software alle Mahnungen und ich muss einfach nur alle kontrollieren, auf denen nur ein Medium steht.

Auch im Keller stehen noch mehr Bücher und kann auf Anfrage ausgeliehen werden.

Es gibt natürlich noch so kleine Aufgabe, die aber einfach nicht so regelmäßig statt finden, wie Bücher in den Keller bringen, ein Dienstgang ins Rathaus oder Dienstbesprechungen, dass ich darauf nicht eingehe, aber vielleicht kommt da noch mal was zu.

Ich hoffe ihr seit jetzt nicht erschlagen und lest dennoch irgendwann mal wieder einen Beitrag von mir.

5 Gedanken zu „Game of Libraries – Ein Tag als FaMI in der Öffentlichen Bibliothek

  1. Liebe Rika,

    ein sehr schöner Beitrag. Ich hätte früher nie so viel gelesen, wenn meine Bücherei am Ort nicht immer für neuen Lesestoff gesorgt hätte. Dein Einblick hinter die Kulissen ist darum richtig interessant. Ich liebe auch die Fotos, deine Bücherei sieht echt hübsch aus.

    Liebe #litnetzwerk Grüße
    Sabrina

  2. Hey Rika,

    das nenne ich mal einen ausführliche Arbeitsbericht. Du scheinst sehr routiniert zu sein!
    Ich frage mich, ist es dein Job? Der Job, den du dein restliches Leben machen würdest oder gehen denine Träume noch weiter? 🙂

    Liebe Grüße
    Tina

    1. Hi Tina,

      das ist eine gute Frage. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich liebe dieses Job momentan sehr. Mir machen meine Tätigkeiten Spaß und ich sehe einen Sinn darin, aber es gibt auch andere Dinge, die ich machen möchte und ich glaube, dass ich auf Dauer nicht auf die “einfachen” Tätigkeiten beschränkt sein möchte. Ich hoffe du verstehst, was ich meine.

      Liebe Grüße
      Rika

Schreibe einen Kommentar zu Vera Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Rezension zu “Dear Evan Hansen” von Val Emmich, Steven Levenson, Benj Pasek und Justin Paul

Nobody Deserves to be ForgottenEin nie für die Augen anderer bestimmter Brief lässt Evan Hansen als engsten Freund eines toten Mitschülers erscheinen. Dem einsamen Evan

Weiterlesen ...
%d Bloggern gefällt das: