Übers Versagen und Scheitern

Heute mal ein persönlicher Beitrag von mir und über das was im letzten Jahr so bei mir los war. Keine Sorge nächstes mal geht es wieder um Bücher.

Etwas das ich nicht sehe im Internet ist scheitern.

Das ist natürlich übertrieben, vom wird Scheitern berichtet. Es gibt genug Motivationstexte in denen einem Versprochen wird das jeder erfolgreiche Mensch gescheitert ist und du auch durch dein Scheitern Millionär werden kannst. Ich kann euch das nicht versprechen. Ich möchte nur mein Scheitern mit euch teilen, um zu einem menschlicherem Internet oder einem nicht perfekten Bild meiner Selbst beizutragen, vielleicht einfach auch nur um mir noch einmal klar zu machen, das alles halb so wild ist und deshalb nicht alles verloren ist

Ich habe im letzten Jahr ein Studium begonnen. Ein Informatik Studium um genauer zu sein. Jetzt werde ich es abbrechen. Warum euch das mitteile? Weil ich denke, dass mehr Menschen darüber berichten sollten wie mal etwas schief geht. Mir hätte das in letzten Monaten nämlich sehr geholfen.

Vielleicht fangen wir von vorne an, also wieso ein Informatik Studium? Mir hat Informatik in der Schule gefallen, ich war auch relativ gut darin, außerdem verdient man in der Branche gut und es werden ständig Leute gesucht. Naja um ganz ehrlich zu sein hatte ich nichts anderes und der Studiengang war zulassungsfrei.

12 Jahre lang hat die Schule mich darauf vorbereitet mein Abi zu machen und die Schule abzuschließen, aber warum hat kaum jemand versucht uns zu helfen etwas nach der Schule zu finden. 12 Jahre lang muss man sich um kaum etwas kümmern und dann auf einmal heißt es “und was machst du jetzt?” Keine Ahnung! Wie findet man raus was man mit seinem Leben anstellt?

Also habe ich beschlossen Informatik zu studieren. keine schlechte Idee wie man meinen “Gründen” oben entnehmen kann. Es gibt nur ein Problem bei der Sache: Ich finde die Idee Informatikerin zu sein viel Spannender als tatsächlich etwas in der Richtung zu tun. Also sitze ich in einem Studiengang, der mich kaum Interessiert, versuch dann trotzdem an den Prüfungen teilzunehmen und falle durch. Ratet mal wer monatelang in Selbstvorwürfen, Versagensängsten und Tränen gebadet hat. Richtig. Ich.

Also haue ich ein paar Bewerbungen raus auf Ausbildungsplätze in Buchhandlungen, denn wir ihr vielleicht mitbekommen habt ich habe so einen kleinen fabile für Bücher. Ich habe bis heute keine Rückmeldung von dem Unternehmen bekommen. Also habe ich auch da irgendwie versagt.

Nächster Versuch, zurück zum Studium. Ich habe mir eine Wohnung in der nähe der Uni gemietet, um bei meinen Eltern auszuziehen und um einiges näher an der Uni zu sein. Als Motivation. Das hat auch nicht geklappt. Sicherlich wenn ich dadurch gekämpft hätte würde ich jetzt sicherlich in der Wohnung wohnen, aber warum sollte ich in eine Fremde Stadt ziehen weg von all meinem Freunden und meiner Familie nur um ein Studium durch zuziehen, das ich nicht einmal mag. Also bin ich aus der Wohnung genauso schnell wieder ausgezogen wie eingezogen. Nur das ich mit nach Hause noch eine panische Angst vor Einsamkeit mitgenommen habe, naja nicht direkt vor Einsamkeit, eher vor dem Gedanken allein bzw. einsam zu sein.

Daraufhin gab es meiner Seits nur noch mehr Geheule und die Erkenntnis, das ich mein Studium abbrechen werde. Also musste ich wieder Bewerbungen schreiben. Doof nur das es mittlerweile März ist und fast alle Unternehmen schon Auszubildende haben. Auf die wenigen Stellen die es noch gab und bei denen ich mir eine Zukunft vorstellen kann hatte ich mich beworben. Verwaltungsfachangestellte und Kauffrau für Büromanagement, Berufe für die ich mich schon im Jahr zuvor beworben hatte und versagt hatte.

Doch dieses Jahr habe ich Glück! Nicht bei den Stellen, sondern bei einer anderen Ausbildung, die mir viel mehr liegen wird. Ein Beruf bei der ich meine Leidenschaft für Bücher ausleben darf. Ich darf ab August in der Stadtbibliothek Fachangestellte für Medien und Informationsdienste (FAMI) Fachrichtung Bibliothek lernen. Bis vor kurzen wusste ich nichts von dieser Ausbildung und auch nicht das sie hier angeboten wird. Der Bewerbungsprozess war ehrlich gesagt ein Traum. Ich weiß, normalerweise sind Vorstellungsgespräche und Co. der blanke Horror, ich habe schon ein paar mitgemacht. Aber dieses mal war ich zwar nervös wie noch nie, aber ich bin vom Einsatztest (Probearbeiten, keine Ahnung warum sie das anders nennen mussten und es fand such vor dem Vorstellungsgespräch statt) und vom Vorstellungsgespräch raus gekommen als wenn ich auf Wolken schweben würde. Getoppt wurde das ganze noch von der Zusage, die ich nur wenige Stunden nach dem Vorstellungsgespräch bekommen habe. Ich bin durchs Haus gehüpft und wollte die ganze Welt umarmen.

Mir ist ein eine Last genommen worden, all diese Versuche meine Zukunft aufzubauen und jetzt habe ich etwas für die nächsten drei Jahre. Ich werde mich dann wieder um meine Zukunft sorgen, dass weiß ich, aber momentan freue ich mich auf den August, dann darf ich endlich anfangen in der Bibliothek zu arbeiten. Stellt euch das vor, ich darf Bücher sortieren, mit Menschen reden und vieles mehr rund um Bücher und Menschen, die Bücher mögen. und dafür werde ich auch noch bezahlt.

Meine Oma meinte dazu, ihr wäre klar da mein Leben wie eine Kurve ist. oder so ähnlich. und ich finde das ist etwas sehr schönes. Wenn man mal über mathematische Funktionen nachdenkt um ein Leben zu beschreiben ist eine Gerade ziemlich langweilig, denn es gibt nur drei Möglichkeiten, entweder bleibt alles wie es ist, es geht nur bergauf oder nur bergab. Und auch wenn es schöne wäre wenn alles immer nur bergauf geht, die anderen Möglichkeiten sind nicht ganz so prickelnd. Bei einer Kurve dagegen weißt du das es Höhen und tiefen gibt. Nicht so regelmäßig wie beim Sinus oder Kosinus, aber es ist schön zu wissen, das du vielleicht gerade einen Tiefpunkt erreicht hast, aber es geht wieder bergauf. Gleichzeitig sollte es uns auch daran erinnern, das es jeder zeit wieder bergab gehen kann, also genieße deine Erfolge und verliere nicht aus den Augen, das jedes Versagen der nächste Schritt zu deinem Erfolg ist. Übrigens ich glaube nicht das meine Oma auf diesen Mathematischen Vergleich anspielen wollte, sie meinte wahrscheinlich eher eine Straße, aber ich meine Erweiterung dazu auch ganz gerne.

Und es tut mir leid, das es jetzt so ein 08/15 Motivationstext zum Schluss geworden ist, aber ich denke ich muss mir diese Dinge einfach mal irgendwo aufschreiben und warum euch nicht an meinem Gedanken teilhaben lassen, damit unsere Angst vorm Scheitern etwas abnimmt und außerdem hatte ich ein kleines “Happy End” und das passiert selten genug im Leben, deshalb möchte ich, dass ihr davon erfahrt. Manchmal passiert so etwas nicht nur in Büchern.

4 Gedanken zu „Übers Versagen und Scheitern

  1. Herzlichen Glückwunsch zu deiner Ausbildungsstelle!! Ich freue mich, dass du etwas gefunden hast, das dich glücklich machen wird.

    Und Danke für deinen Beitrag. Ich glaube in unserer heutigen Zeit ist es besonders wichtig auch mal darüber zu schreiben, dass nicht alles immer toll und wundervoll ist. Dass Scheitern zum Leben dazugehört, und das auch gut ist.

    Liebe Grüße

    J xx

    1. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar, ich war ziemlich nervös aufgrund dieses Beitrags, aber deine Reaktion beruhigt mich gerade so sehr.

      Liebe Grüße
      Rika

  2. Am Anfang bin ich auch gescheitert. Ich hatte mich bereits ein Jahr vor dir bei der selben Bibliothek beworben, und wurde abgelehnt. Da ich nicht in die Schule wollte, habe ich dann notdürftig das FSJ gemacht. Es geht vieles schief, aber manchmal auch vieles gut, sonst würden wir nicht bald zusammen zur Schule gehen 😉

    1. Es hat auch sein gutes, ich freue mich schon darauf mit dir zur Berufsschule zu gehen und durch dein FSJ konnte ich dich schon früher kennen lernen. ☺️

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